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So nicht, Kesselstoker!

Von Ulrich Mädel
Erschienen im Januar 2005 in KSS Broschüre Teil 4

Beim Seeklarmachen im Stützpunkt war starkes Qualmen der Kesselanlage vor Zuschalten der Turbogebläse kurzzeitig nicht zu vermeiden. In See war es verpönt und eine Schmach für das Schiff und seinen GA-V. Abgesehen von einer weithin sichtbaren optischen Enttarnung des Schiffes war dieser Zustand einer länger andauernden, unvollständigen und unvollkommenen HeizölVerbrennung der Bild: KSS 1-62 (die spätere „Karl Marx“) sauberen Ostsee-Luft nicht zuzumuten. Die halbautomatische Kesselregelanlage gestattete, bei Lastwechsel innerhalb von ein bis drei Sekunden wieder in den Zustand der vollkommenen, vollständigen und damit rauchlosen Verbrennung überzugehen.

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KSS 1-62 (die spätere „Karl Marx“)

Der Gast am KesselFahrstand als ein Glied dieser Regelanlage hatte den Kesselbetriebsdruck von 28 bar durch Zuund Abschalten von Brennern konstant zu halten und dabei auch auf die Betriebsanzeige des Turbogebläses, das die Kessel mit Luft und damit Sauerstoff versorgte, zu achten. Die Kennzeichen einer gut eingestellten Anlage und eines aufmerksam arbeitenden Gasten waren bei Aufnahme der Fahrt oder bei Erhöhung der Fahrtstufe ein schwacher dunkler Rauchpilz und beim Übergang auf eine kleinere Fahrtstufe ein ebenso kleiner grau-weißer. Diese „Rauchzeichen“ waren nur auf kürzeste Entfernungen auszumachen.

StB-Turboheizölpumpe im Kesselraum
StB-Turboheizölpumpe im Kesselraum

Das hier vorliegende Beispiel, das den Stolz eines Dampfingenieurs zutiefst verletzt, kann technische oder menschliche Ursachen haben:

  • technisch: den Ausfall eines Turbogebläses, was eher selten vorkam
  • menschlich: das nicht harmonische Zuschalten von Brennern unter Missachtung der Betriebsanzeige des Turbogebläses. Besonders wenn versucht wurde, den Kesseldruck durch gleichzeitiges Zuschalten mehrerer Brenner überhastet zu erhöhen, konnte die Leistung des Turbogebläses nicht so schnell folgen, die Luftzufuhr reichte nicht aus und dicker, schwarzer Qualm durchmischt mit Rußflocken quoll aus dem Schornstein.

Mit Sicherheit hatte es in der hier gezeigten Situation einen gleichlautenden barschen Befehl vom ACH an den Kommandanten und von diesem an seinen BS/V gegeben: „Sofort rauchlos fahren!“ Etwas deftiger dürfte dann die Standpauke an den Kesselgasten ausgefallen sein, wenn dessen Schuld erwiesen war.

Nicht ganz zum Thema passend, möchte ich hier noch zwei Fotos aus dem Turbinenraum zeigen, die mir der ehemalige Kesselgast Klaus Maaß im Jahre 2004 zukommen ließ. Wer diese – damals natürlich nicht genehmigten – Fotos gemacht hat, war nicht mehr zu ermitteln.

StB-Turbinenfahrstand
StB-Turbinenfahrstand
BB-Turbinenfahrstand
BB-Turbinenfahrstand

Die Handräder der Turbinen-Fahrventile waren aus Messing. Das größere Handrad diente der Vorwärts- das kleinere Handrad der Rückwärtsfahrt.

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