home In alten Zeitschriften geblättert Keiner schießt für sich allein

Keiner schießt für sich allein

Dieser Artikel erschien in der Armeerundschau 10/62und schildert ein Torpedoschießen des KSS „Karl Liebknecht“. Reporter und gleichzeitig Fotograf war ein M. Berghold. Diesen Beitrag erhielten wir von Wolfgang Peschenz, der als Turbinenmeister auf der „Friedrich Engels“ gefahren war.

Das Küstenschutzschiff macht gute Fahrt. Die See liegt ruhig und glatt wie ein blaues Tuch. Nur diekleinen Wellen, die der Steven erregt, laufen flinkam Bug entlang, blassgrün. Am Horizont schimmertein kleiner Streifen flachen Landes der Küste von Rügen. Die Ellenbogen auf die Reling gestützt,schaue ich in das Kielwasser. Eigentlich müsste es bald soweit sein. Mir scheint es wie die Ruhe vordem Sturm. Endlich schrillen die Signalglocken. DieMatrosen hasten auf ihre Gefechtsstationen. Aufdem HBS suchen scharfe Gläser die See ab. Kommandosschwirren durch die Luft. Meldungenwerden quittiert. Das Schiff, seine Matrosen sind bereit. Schließlich befiehlt der Kommandant,Kapitänleutnant F. Dorn: „Torpedoangriff auf Fregatte backbord 30!“ Das Schiff geht auf Annäherung.

Ich eile den Seitengang entlang. „Rohr 1 klarmachenzum Schuss“, hatte der Kommandeur des GA-IIIbefohlen. Stabsmatrose Töpfer öffnet das Kesselabsperrventil, überprüft die Tiefeneinstellung, lädt dieKartusche. Die beiden Torpedorohre schwenken nach backbord. Rohr 1 ist klar. Unterdessen ist manauf dem HBS nicht untätig. Der Kommandant ermitteltdie Schusspeilung und den Gefechtskurs. DerGA-III berechnet den Kurswinkel beim Schuss. Auch der Torpedomeister, Stabsobermeister Weitling,der im Rohrsatzstand sitzt, hat das Ziel aufgefasstund beginnt mit dem Richten. Es dürften nur noch10 Kabel bis zur Schussposition sein. Der Kommandant befiehlt Kursänderung. Das Schiff läuft mithoher Fahrstufe auf Gefechtskurs. „Torpedo los!“ Die Kartusche zündet und treibt den Torpedo ausdem Rohr. Er klatscht einige Meter vom Schiff entfernt ins Wasser und läuft mit der Präzision einesUhrwerkes dem Ziel entgegen. Der weiße Qualm über dem Rohrsatz verflüchtigt sich schnell, aberdafür opfert sowieso auf dem Schiff keiner einen Blick. Alle Augenpaare suchen die Blasenbahn des„Aales“ und verfolgen sie, mit und ohne Glas. Währenddessen läuft das Schiff hinterdrein. Den Gastenum Stabsobermeister Weitling bleibt noch eine harteNuss zu knacken. Heute sollen sie den Torpedoohne fremde Hilfe wieder aufnehmen. Doch vorerst herrscht Freude auf dem Schiff. Getroffen! Ihr 15 Torpedo hat das Zielschiff am Heck unterlaufen. Dasgibt ein „sehr gut“ für das Kollektiv. Und dann beweisen sie noch einmal, was in ihnen steckt. Jeder packt mit an, voran der Stabsobermeister, die Stabsmatrosen Töpfer und Heidemüller, der Obermatrose Otto und viele hilfsbereite,geschickte Hände aus dem GA-III. Doch esbleibt ein hartes Stück Arbeit bevor derTorpedo aus dem Wasser gefischt,hochgezogen und auf den Transportwagengepackt ist. Aber schließlich ist es dochgeschafft. Der Rohrsatz wird gedreht und mitdem Ladegeschirr ziehen die Matrosen denTorpedo ins Rohr. Ölbeschmiert unddreckverkrustet sind die Hände und dasBordpäckchen, schweißnass die Gesichter, dieHaare kleben unter dem Käppi. Doch dieMatrosen freuen sich und sind stolz auf ihreLeistung. Bald ist nur noch das Rauschen des Kielwassers zu hören. Die Freiwache ruht in ihrenKojen. Das Schiff zieht ruhig und sicher seinen Kurs vor der Küste der DDR, um in etwa einer Stundevor Anker zu gehen. Heute wie morgen: Die Matrosen des KSS „Karl Liebknecht“ geben ihre Tat fürunser Glück, für unser Leben.

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