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Duschen mit Hilde

von Hans Steike
erschienen in KSS Broschüre Teil 3

Wer jetzt eine erotische Dusch-Party mit einer griffigen, langhaarigen, blonden und vollbusigen Seemanns-Braut erwartet, wird enttäuscht sein. „Hilde“ war überhaupt kein Weib sondern nur der liebevolle Spitzname für den Hilfskessel. Hilde wurde hoch geachtet, denn im Stützpunkt war sie lebensnotwendig. Im Winter beheizte sie Kammern, Decks und Betriebsräume. Täglich sorgte sie für Wirtschaftsdampf in der Kombüse, somit für das Wohl der Besatzung und warmes Duschen wäre ohne Hilde unmöglich gewesen.

Das Offiziers-Deck verfügte über eine eigene Dusche, gleich neben Kammer 7. Nun darf man sich diese Dusche nicht vorstellen wie eine häusliches Brausebad. Durch einen kleinen, hermetisch verschließbaren, blechverkleideten Raum liefen viele verschieden starke Rohre. Nicht alle waren für das Duschen bestimmt. An den Rohren eine Menge Ventile und Drei-Wege-Hähne, auch nicht alle für das Duschen gedacht. Für die Körperpflege kam es nun darauf an, erstens die richtigen Ventile zu finden und zweitens diese in richtiger Reihenfolge und Dosierung zu bedienen.

Als Neuling verließ man die Dusche selten zufrieden. Entweder man hatte in dem Ventil-Wirrwarr schon vorher entnervt aufgegeben, oder beendete die Körperpflege knallrot abgebrüht wie ein Schlachtschwein oder bibbernd wegen des nur kalten Wassers. Aber selbst wenn man die Technik beherrschte, blieben Überraschungen nicht aus. Der Weg von Hilde zum Offiziers-Deck war lang, der Dampf verschluckte sich manchmal, blieb irgendwo stecken oder wurde umgeleitet. Wer dann das Dampfventil weiter öffnete, konnte eine böse Pleite erleben. Der plötzlich wieder in den Duschkopf zurück schießende Dampf machte das Wasser kochend heiß und verwandelte den Raum innerhalb von Sekunden in eine Dampfsauna. Nun war gar kein Ventil mehr zu erkennen. Am sichersten war, sofort alle Ventile zu schließen, wenn der Dampf wegblieb und die Dusche neu einzuregeln, wenn lautes Knacken in der Dampfleitung die Rückkehr dieses Mediums anzeigte. Das Schlimme aber war, daß man aus dem Dusch-Raum heraus keinerlei BÜ-Möglichkeit zur Hilde oder zum Maschinenabschnitt hatte. BÜ war die Abkürzung für Befehls-Übermittlung. Man war den Ereignissen hilflos ausgeliefert.

Nicht so der neue Kommandant Kurrrtchen Urrrmoneit. An seinem rollenden R war unschwer der Ostpreuße zu erkennen. Nachdem Kurtchen einige Male mit den Tücken des Objektes Bekanntschaft gemacht hatte, griff er zu einer drastischen Maßnahme. Er befahl dem LI die Bildung einer BÜ-Kette, bestehend aus 2. WI, Pumpenmeister und Pumpenmaat. Das ging dann so:

Kommandant zum 2.WI, der vor dem Duschraum stand: „Kein Dampf!“ 2.WI (vorsichtig): „Genosse Kapitänleutnant, haben Sie rechts oben das Ventil…?“ „Vorrrsicht, Unterleutnant, ich bin doch nicht blöd!“ Und dann unwirsch: „Soforrrt Dampf durrrchschalten!“ Der 2.WI spritzte zum Niedergang, wo der Pumpenmeister postiert war: „Sofort Dampf durchschalten!“ Der Meister spurtet in den Seitengang und gibt den Befehl in Richtung des achtern stehenden Pumpenmaaten weiter. Der verschwindet in den Aufbauten. So ging das einige Male während einer Reinigung und wiederholte sich bei jedem Duschwunsch des Kommandanten von neuem. Der 2. WI bekam schon Schweißtröpfchen auf der Stirn, wenn der LI auch nur andeutete, daß der Kommandant heute wohl wieder duschen wird.

Eines Tages dann war dieser Aufwand nicht mehr nötig. Alle relevanten Ventile und Hebel im Duschraum waren sorgsam verschieden farblich gekennzeichnet. Eine vor Spritzwasser und Dampf geschützte Instruktion hing an der Wand, unterteilt in drei Abschnitte: Ventilstellung bei Duschvorbereitung, Ventilbedienung während des Duschens, Ventilstellung nach dem Duschen. Kurtchen grinste zufrieden. Mehr hatte er mit seiner drastischen Maßnahme gar nicht bezweckt. Machmal muß man die Menschen eben zu ihrem Glück eben zwingen. Das gilt auch für Ing.-Offiziere.

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