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Bieralarm

von Lothar Kolditz
veröffentlicht in KSS Broschüre Teil 2

Es war während unserer Werftliegezeit in Kronstadt. Nach einer Exkursion nach Leningrad mit einer Gruppe Matrosen fuhren wir wegen des schönen Wetters schon am Nachmittag zurück, um dieherrlichen Parkanlagen von Peterhof zu genießen. Der Park war gut besucht und nebenverschiedenen Kulturprogrammen konnte man auch auf einer großen Freitanzfläche das Tanzbeinschwingen. Die vielen jungen Mädchen ließen keinen anderen Entschluß zu, als hier länger zuverweilen. Mit Einsetzen der Musik zum nächsten Tanz stand ich allein am Wegrand. Ich hatte keineLust zum Tanzen und da es sehr warm war, bummelte ich durch die schattigen Parkwege und suchteeinen Getränkestand. Eine Bierbude weckte meine Neugier, denn ich sah dort Flaschen mit einem mirunbekannten Etikett. Echtes tschechisches „Staropramen“ stand neben dem einheimischenStandardbier „Shigulewskoje“ und keiner riß sich danach. Mit Genuß leerte ich die erste Flasche undstellte dabei fest, daß der Vorrat des Verkäufers noch eine Weile reichen würde. Ich lief zur Tanzfläche zurück und teilte meine Entdeckung den tanzenden Matrosen mit. Ein Alarmrufmeinerseits hätte nicht mehr bewirken können. Keiner der Matrosen tanzte weiter, alle stürmten inRichtung der von mir georteten Bierquelle davon.

Als ich dort wieder ankam, war meine gesamte Gruppe vollzählig und der Bierstand fest in deutscherHand. Ein Abbruch des Umtrunkes nach der zweiten Flasche (manche hatten auch drei geschafft)blieb mir erspart, da die Importe aufgebraucht waren. Jetzt stellte auch plötzlich ein Matroseerschrocken fest, daß er seinen Fotoapparat an der Tanzfläche hatte liegenlassen. Er stürzte davonund ich bewegte mich mit der Gruppe ebenfalls in Richtung Tanzkapelle. Dort angekommen, sahenwir den vergeßlichen Matrosen bei einem Mädchen stehen, seinen Fotoapparat in der Hand. Die Hübsche hatte trotz unhöflicher Unterbrechung des Tanzes den Apparat an sich genommen undgeduldig auf ihren verschwundenen Matrosen gewartet.

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